10 Fragen zum erholsamen Urlaub

Lieber kurz oder lang? 10 Fragen zum erholsamen Urlaub

Falls Sie Ihren Urlaub noch vor sich haben, sollten Sie auch die Zeit vorher und nachher gut planen und gestalten, um sich wirklich zu erholen und möglichst lange etwas davon zu haben.

Wie lang ist der optimale Urlaub?

Viele Menschen sind überzeugt, dass nur zwei oder drei Wochen Urlaub am Stück wirklich Erholung bringen können. Tatsächlich haben Wissenschaftler aber festgestellt, dass es für den Stressabbau gar nicht so sehr auf die Länge des Urlaubs ankommt. In Studien konnte kein Beleg dafür gefunden werden, dass längere Urlaubszeiten zu mehr Erholung führen.

Daher ist es durchaus sinnvoll, mehrere kürzere Urlaube über das Jahr zu verteilen. Selbst Kurztrips und Wochenendausflüge bringen ähnliche Effekte, wie ein längerer Urlaub. Am wichtigsten ist nicht die Dauer, sondern wie man die Urlaubszeit erlebt. Sorgen Sie dafür, dass die Zeiten zwischen den freien Phasen nicht zu lange am Stück dauern. Regelmäßige Kurzurlaube über das Jahr verteilt helfen, die Stressreaktion niedrig zu halten.

Das Wohlbefinden im Urlaub erreicht im Allgemeinen am achten Tag seinen Höhepunkt, ein ca. einwöchiger Urlaub tut uns also richtig gut.

Wie lange hält die Erholung an?

Leider hält die Erholung im Allgemeinen nicht besonders lange an. Höchstens drei Wochen lang spüren wir die Effekte noch. Wenn es im Alltag direkt nach dem Urlaub wieder sehr stressig weitergeht, hält die Erholung manchmal nur wenige Tage. Das kennen viele Menschen, die sofort wieder voll in den Arbeitsalltag einsteigen und am Ende des ersten Tages schon das Gefühl haben, nie weg gewesen zu sein.

Viel Entspannung auch nach dem Urlaub sorgt dafür, dass die Urlaubswirkung nicht so schnell nachlässt.

Was sind die Folgen eines erholsamen Urlaubs?

Die meisten Menschen fühlen sich nach ihrem Urlaub auf jeden Fall besser. Studien zeigen außerdem, dass Menschen nach einem Urlaub aktiver, kreativer und leistungsfähiger sind. Sie arbeiten schneller, lösen Probleme besser und helfen eher ihren Kollegen.

Sie haben auch weniger Fehltage bei der Arbeit. Burnout- und Stress-Symptome verringern sich deutlich.

Da die meisten Menschen unter einem permanenten Leistungsdruck stehen, haben viele das Nichtstun verlernt. Auch hierfür bieten freie Zeiten eine Möglichkeit wieder zu üben, sich einfach mal mit nichts zu beschäftigen.

Wenn Sie sich im Urlaub auch mal neuen Eindrücken aussetzen, bekommt das Gehirn neuen Input – das macht uns kreativer und bringt uns auf neue Ideen.

Was sollte man am besten im Urlaub tun, um sich möglichst gut zu entspannen?

Es gibt nicht die eine Urlaubsplanung, die für alle passt – wir haben alle unterschiedliche Bedürfnisse. Ganz allgemein erholen wir uns am besten, wenn wir Dinge tun, die uns zufrieden machen (siehe DRAMMA-Modell).

Eine Sache sollten Sie auf jeden Fall tun: Meiden Sie Ihr Smartphone! Je häufiger Nachrichten (E-Mail, SMS, Messengerdienste) gelesen und geschrieben werden, desto schlechter kann man abschalten und erholt sich entsprechend weniger. Das betrifft übrigens nicht nur berufliche Nachrichten, sondern auch private. Schalten Sie also im wahrsten Sinne des Wortes ab, wenn Sie im Urlaub sind.

Am besten ist es, wegzufahren um abzuschalten. Schon ein kurzer Abstand vom Alltag hilft, den Kopf frei zu bekommen, daher muss die Reise nicht sehr weit sein. Eine relativ kurze Anreise minimiert natürlich auch den Reisestress.

Psychologisch wirksam ist ein Hindernis zwischen Urlaubs- und Heimatort. Auf einer Insel hat man z. B. viel eher das Gefühl, dass die ganze Alltagswelt weit weg ist – eben jenseits des Meeres. Auch in den Bergen fühlt man den Abstand zum üblichen Leben viel deutlicher.

Eine Urlaubsreise ist eine wunderbare Möglichkeit, um Achtsamkeit zu praktizieren. Genuss und Erholung verstärken sich, wenn wir ganz bewusst auf unsere Sinneseindrücke achten: Welche Farben genau sehen Sie im Sonnenuntergang über dem Meer? Wie hört sich das Rauschen des Windes in den Baumwipfeln an? Wie riecht und schmeckt das neue Gericht, das Sie probieren? Wer seine Urlaubseindrücke nicht nur als Fotos mit dem Smartphone sammelt, sondern wirklich genau hinspürt, hat länger etwas vom Urlaub.

Werden Sie im Urlaub aktiv! Tun Sie Dinge, die Ihnen Spaß machen, werden Sie beispielsweise körperlich aktiv. So verbessern Sie Ihr Wohlbefinden und Ihre Gesundheit, Passivität verringert diese eher.

Weil wir uns auch an schöne Dinge gewöhnen, sollten Sie im Urlaub nicht jeden Tag das Gleiche tun, sondern für Abwechslung sorgen. Am besten ist es, wenn Sie ein richtiges Highlight an das Ende des Urlaubs setzen. Daran erinnern Sie sich dann später am besten.

Was passiert im Urlaub im Körper?

Der Mensch funktioniert am besten in einem regelmäßigen Rhythmus von Anspannung und Entspannung. Nach Zeiten der Anspannung, z. B. durch arbeitsbedingten Stress, brauchen wir daher Phasen der körperlichen Erholung, in denen u. a. Stresshormone wieder abgebaut werden. Dann entspannen wir uns und körperliche Vorgänge normalisieren sich wieder.

Im Urlaub steigt das Wohlbefinden, körperliche Beschwerden lassen nach. So sinken der Blutdruck und die Herzfrequenz, Herzinfarkte werden seltener. Nach wenigen Urlaubstagen gehen Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen zurück. Wir schlafen besser und unsere Stimmung hebt sich.

Ein weiterer angenehmer Nebeneffekt: Menschen, die ihre Freizeit aktiv gestalten, sind nicht nur entspannter, sondern auch schlanker.

Wie kann am sich am besten auf den Urlaub vorbereiten?

Machen Sie rechtzeitig eine Erholungspause! Wenn Sie sich bereits erschöpft und „urlaubsreif“ fühlen, ist es schon sehr spät. Planen Sie besser Zeiten zum Auftanken ein, bevor Sie müde und ausgelaugt sind. Wenn Sie also an sich feststellen, dass Sie weniger motiviert sind, dass Ihre Leistungen schwanken und Sie mehr Erholung brauchen, ist es höchste Zeit für eine Auszeit.

Wer sich in den Ferien wirklich gut erholen will, sollte dafür sorgen, dass die Arbeitsbelastung unmittelbar davor nicht allzu hoch ausfällt. Direkt vor den freien Tagen sollten also möglichst nur noch einfache Aufgaben erledigt werden, die auch noch abgeschlossen werden können. Gesundheit und Wohlbefinden nehmen dagegen deutlich ab, wenn zu den Urlaubsvorbereitungen auch noch Stress bei der Arbeit kommt. Es kann dann zu einer Art „Prä-Urlaubssyndrom“ mit ausgeprägtem Stimmungstief kommen.

Auch die eigentlichen Urlaubsvorbereitungen, wie das Besorgen von Tickets oder Unterkunft, sollten rechtzeitig vorher erledigt werden. So können Sie in den Tagen vor dem Urlaub noch gut schlafen.

Außerdem erhöht die Vorfreude auf den Urlaub die Qualität der Erholung und bringt so richtig gute Urlaubsgefühle. Suchen Sie also schon vorher ganz in Ruhe Ihr Reiseziel und die Unterkunft aus und überlegen Sie, was Sie alles Schönes vor Ort machen könnten. Menschen, die gerade einen Urlaub planen, sind glücklicher und sind auch zufriedener mit der Familie.

Und nach dem Urlaub?

Der Erholungseffekt hält am längsten an, wenn die Arbeitsbelastung in den ersten Tagen nach dem Urlaub sich in Grenzen hält. Es ist z. B. ungünstig, gleich am ersten Tag Termine einzuplanen. Die ersten ein bis zwei Tage sollten dazu dienen, sich den Dingen zu widmen, die während des Urlaubs eingegangen sind.

Dazu gehört auch das Lesen der E-Mails. Manche Beschäftigte finden nach ihrem Urlaub hunderte von Mails vor, diese zu sichten kostet Zeit. Damit in den ersten Tagen nach der Rückkehr der Druck nicht gleich so groß wird, können Sie den Abwesenheitsassistenten noch einige Tage laufen lassen.

Sinnvoll ist auch ein Anfang mitten in der Woche und nicht am Montag. Fangen Sie erst am Mittwoch wieder mit der Arbeit an, ist die erste Arbeitswoche kurz und Sie begeben sich nicht gleich wieder voll in die Arbeitshektik.

Auch die Erinnerung an den Urlaub verlängert die Erholung. Betrachten Sie also immer mal wieder Ihre schönen Urlaubsbilder, stellen Sie sich ein Souvenir auf den Schreibtisch oder schreiben sich selbst eine Postkarte vom Ferienort.

Kann man die Stressbewältigung komplett auf den Urlaub verschieben?

Nein, leider kann man nicht das gesamte Erholungsbedürfnis auf den Urlaub verschieben. Da die Erholung maximal drei Wochen anhält, brauchen wir Pausen und Auszeiten, in denen wir uns auch im normalen Arbeitsalltag immer wieder ein wenig herunterfahren können. Wichtig dabei ist, am Feierabend wirklich den Kopf frei zu bekommen von der Arbeit. Das gelingt am besten, wenn man Arbeits- und Privatleben bewusst trennt. Anspruchsvolle Freizeitaktivitäten, die Konzentration erfordern, helfen von anderen Gedanken abzuschalten. Geeignet sind z. B. Ballsportarten, Tanzen, Musizieren usw.

Am besten planen Sie für jeden Tag einen Mini-Urlaub, der nichts mit Verpflichtungen oder Arbeit zu tun hat. Dafür reichen bereits wenige Minuten.

Wir brauchen also beides: ausreichend erholsame Freizeit im Alltag und längere Auszeiten im Urlaub.

Und wenn man gar keinen Urlaub macht?

Zu wenig Urlaub kann sogar die Sterblichkeit erhöhen, stellten Forscher der Universität Helsinki anhand einer Langzeitstudie mit männlichen Führungskräften fest. Wer weniger als drei Wochen Urlaub machte, starb früher – auch wenn sonst ein gesunder Lebensstil gepflegt wurde. Die Wahrscheinlichkeit im Alter zwischen 40 und 85 Jahren zu sterben, war bei den weniger Erholten um 37 Prozent höher als bei den Menschen mit mehr als drei Wochen Urlaub. Diese negativen Effekte wurden sicherlich noch dadurch verstärkt, dass die Chefs mit wenig Urlaub weniger Schlaf hatten und mehr arbeiteten.

Diese Ergebnisse werden auch von der großen amerikanischen Langzeitstudie Framingham Heart Study gestützt. Menschen, die nur selten in den Urlaub fuhren, starben mit größerer Wahrscheinlichkeit an einem Herzinfarkt. Frauen, die regelmäßig Urlaub machten, verringerten ihr Risiko um 50 Prozent, Männer immerhin um 32 Prozent. 

Kann Urlaub krank machen?

Tatsächlich werden einige Menschen ausgerechnet im Urlaub krank, wenn man doch eigentlich seine freie Zeit genießen möchte. Diese sogenannte Freizeitkrankheit („Leisure-Sickness“) betrifft besonders Menschen, die bei der Arbeit besonders gestresst und stark belastet waren.

Da im Stresszustand das Immunsystem auf Hochtouren läuft, werden dann Infekte noch erfolgreich abgewehrt. Aber sobald im Urlaub die Stresshormone abgebaut werden, macht auch das Immunsystem Urlaub und erholt sich. Das ist dann genau die Gelegenheit für Infekte, z. B. Erkältungs- oder Durchfallerreger, oder einen neuen Schub einer chronischen Erkrankung.

Tipps für Arbeitgeber und Führungskräfte

  • Sorgen Sie für Vertretungsregelungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die im Urlaub sind. Das ist eine Führungsaufgabe und darf nicht einfach den Beschäftigten selbst überlassen werden: „Suchen Sie sich jemanden, der Sie im Urlaub vertritt.“ Häufig erklärt sich dann niemand zur Vertretung bereit, weil alle viel zu tun haben. Es kann auch zu Konflikten im Team führen, wenn unklar ist, wer wen bei welchen Themen zu vertreten hat.
  • Lassen Sie den Rückkehrern genügend Zeit, die liegengebliebenen Aufgaben und eingegangenen Mails aufzuarbeiten. Überhäufen Sie sie nicht gleich mit Arbeit nach dem Motto: „Endlich sind Sie wieder da, hier ist der Stapel, der jetzt ganz dringend abgearbeitet werden muss.“
  • Lassen Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Ruhe! Sorgen Sie dafür, dass Mails und Anrufe im Urlaub unterbleiben. Das funktioniert am besten, wenn es eine funktionierende Vertretungsregelung gibt, so dass wichtige Angelegenheiten von anderen übernommen werden können.
  • Falls doch dienstliche Mails an die Urlauber gehen, erwarten Sie keine Antwort. Manche Beschäftigte bleiben auch im Urlaub gerne auf dem Laufenden und lesen einige Mails. Eine Bearbeitung sollte aber ausdrücklich nicht erwartet werden.

DRAMMA-Modell 

Ein psychologisches Modell versucht zu erklären, wodurch die größte Erholungswirkung in der Freizeit zustande kommt. Hierfür wurde das DRAMMA-Modell entwickelt und erforscht. Es bezieht sich nicht nur auf den Urlaub, sondern ganz allgemein auf unser Freizeitverhalten.

Wenn unsere Freizeit sich an den fünf Säulen des Modells orientiert, können wir uns am besten erholen und sind auch zufriedensten mit der so verbrachten Zeit.

D (detachment) und R (recovery): Abschalten, sich gedanklich lösen sowie Erholung

A (autonomy): Selbstbestimmtheit, Unabhängigkeit

M (mastery): Herausforderung, Meistern von Tätigkeiten

M (meaning): Bedeutung, Sinnhaftigkeit

A (affiliation): Zugehörigkeit

Um das DRAMMA-Modell auf den Urlaub zu übertragen könnten Sie also auf eine Insel reisen und Ihr Smartphone im Koffer lassen (Abschalten und Erholung). Folgen Sie keinem festen Programm, sondern machen Sie das, worauf Sie wirklich Lust haben (Selbstbestimmtheit). Nützen Sie die Freizeit, um etwas Neues zu lernen oder etwas zu erreichen, was Sie sich schon länger vorgenommen hatten, vielleicht eine neue Sportart (Herausforderung). Wenn Sie Ihre Sprachkenntnisse aufpolieren oder etwas Neues über Ihre Umgebung oder die Geschichte Ihres Urlaubslandes lernen, tun Sie etwas Sinnhaftes. Sorgen Sie dafür, dass Sie im Urlaub nette Menschen um sich herum haben, gemeinsame Erlebnisse mit Familie oder Freunden bringen Ihnen das angenehme Gefühl der Verbundenheit und Zugehörigkeit. Das kann Ihnen auch die Teilnahme an einer Gruppenreise bringen, wenn alle ein gemeinsames Interesse verbindet, z. B. eine Reise zu schönen Parks oder antiken Stätten.

1 Antwort
  1. Almut Riedel
    Almut Riedel says:

    “Eine Sache sollten Sie auf jeden Fall nicht tun: Meiden Sie Ihr Smartphone!”…soso, ich kann es nicht lassen ohne Kommentar dazu. Denn mit Sicherheit haben Sie das Gegenteil gemeint, aber wenn man es wörtlich nimmt…;-)
    Trotzdem, vielen Dank für die guten Tipps und Hinweise, um entspannter durch den Alltag und die Vor- und Nachbereitungen des Urlaubs zu kommen.
    Im Übrigen würde ich gern Ihre News abonnieren, ich bin nämlich nur durch Urlaubsvertretung 😉 mit Ihrer email in Kontakt gekommen. Was muss ich also tun? VG A. Riedel

    Antworten

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